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Die Geschichte der Elektrotechnik

Die moderne Elektrotechnik mit ihren unzähligen Anwendungsgebieten ist aus der heutigen Zeit nicht mehr wegzudenken. Die Nutzung der Elektrizität und Technik hat unser Leben in einer solch umfassenden Weise revolutioniert und vereinfacht, dass man sich kaum mehr vorstellen kann, dass die ersten, seinerzeit noch zaghaften Versuche des Verständnisses von Elektrizität gerade einmal gut 300 Jahre zurückliegen.

Zwar bemerkte der griechische Philosoph Thales von Milet bereits um das Jahr 600 vor der Zeitenwende, dass Reibung unter bestimmten Umständen zu einer Anziehungskraft zwischen Stoffen führen kann. Er hatte damit, wohl als erster Mensch, die statische Elektrizität entdeckt. Die nähere Erforschung dieses Phänomens, und damit die Nutzbarmachung seiner Eigenschaften für praktische Anwendungen, sollte jedoch noch mehr als 2000 Jahre auf sich warten lassen. Bekannt wurden erst wieder Versuche von Otto von Guericke, welcher anhand der durch Reibung erzeugten Kräfte eine “Elektrisiermaschine” entwickelte -zwar noch ohne praktischen Nutzen, jedoch wohl der erste Schritt, das Phänomen der Elektrizität für eine maschinelle Funktion einzusetzen und damit die Geburt der Elektrotechnik.

Bevor es jedoch zu den ersten wirklich großflächigen Nutzungen im Bereich der Elektrotechnik kommen konnte, bedurfte es erst weiterer Forschung und etlichen Entdeckungen auf dem Feld der Elektrizität. Im 18.Jahrhundert entwickelte Ewald von Kleist einen ersten elektrischen Kondensator, erfand Benjamin Franklin den Blitzableiter und experimentierte Galvani mit einer elektrochemischen Zelle. Dies war ein entscheidender Schritt, denn zur Nutzung der elektrischen Energie benötigt es natürlich Methoden für deren Speicherung und Transport. Auf dieser Erfindung aufbauend konnte Volta gegen 1800 die erste wirklich funktionstüchtige Batterie entwickeln. Nun stand der nachhaltigen Erforschung elektrischer und elektromagnetischer Phänomene nichts mehr im Wege. Dementsprechend rasant verlief fortan die Entdeckung weiterer Eigenschaften und die Entwicklung fundamentaler Theorien. Ampere beschrieb die elektrische Spannung; Faraday legte den Grundstein für die Vervollständigung einer umfassenden Theorie des Elektromagnetismus und der Elektrodynamik, ohne die die Elektrotechnik nicht denkbar wäre.

Zeitgleich wuchs dann, ab etwa Mitte des 19.Jahrhunderts, auch die Anzahl an Erfindungen, welche die bahnbrechenden Entdeckungen zum Bau von maschinellen Einsatzmöglichkeiten und damit der Elektrotechnik nutzten. 1860 entwickelte Philipp Reis das erste Telefon (dessen Apparatur allerdings wieder in Vergessenheit geriet, weshalb das Telefon dann 16 Jahre später ein zweites Mal von Graham Bell “erfunden” wurde). Wenig später wurden von Popow die ersten drahtlosen Übermittlungen per Funk durchgeführt – eine wichtige Weiterentwicklung der bereits bekannten Telegrpahen, der Grundstein unserer heutigen Radio-, Fernseh- und Telekommunikationstechnik und damit wesentlicher Teilbereiche der Elektrotechnik.
Edison schuf 1879 die Glühbirne und Tesla erfand den Wechselstrom, ohne den die Elektrifizierung der Haushalte undenkbar gewesen wäre. Damit waren die wesentlichen Voraussetzungen dafür geschaffen, dass Anfang des 20. Jahrhunderts die ersten kommerziellen Radio- und Funksender eingerichtet werden konnten, in den 30er Jahren die ersten Fernsehstationen auf Sendung gingen im Verlauf des 2.Weltkrieges die Radartechnik die Luftraumüberwachung revolutionierte.

Von entscheidender Bedeutung für die wirtschaftliche Nutzung des elektrischen Stroms aber war das Werk des Werner von Siemens. Dieser herausragende Industriepionier im Bereich der Elektrotechnik – und Gründer der Siemenswerke – ermöglichte mit der Entwicklung des ersten Generators die großräumige maschinelle Nutzung der Elektrizität. Ohne seine Erfindungen wäre die Industrie noch heute an die Dampfmaschine gebunden, Massenfertigung modernen Maßstabs mithin undenkbar. Auch erfand er die Ozonröhre, des wohl ersten Produktes der Menscheit im Bereich Umwelttechnologie.

Heute ist die Elektrotechnik aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken.

Heute ist die Elektrotechnik aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken.

Zur Mitte des 20.Jahrhunderts ging man dann einen für die folgende 2. industrielle Revolution grundlegenden Schritt: Konrad Zuse erschuf 1941 mit der legendären “Zuse Z3” die erste röhrenbasierte Rechenmaschine der Welt – den Urahn heutiger Computer, des Produktes, mit dem heute wohl die meisten Menschen den Begriff der Elektrotechnik in Verbindung bringen. Die Amerikaner entwickelten diese Idee weiter und schufen 1946 den “Eniac” – zusammen mit der Erfindung des Transistors 1947 war damit der Weg frei , immer größere Rechenleistungen in immer kompakteren Geräten zu entfalten. Der integrierte Schaltkreis von 1958 ermöglichte die Entwicklung von Mikrochips und deren Verwendung in Computern. So wurden bereits in den 1960ern die ersten Industrieroboter für die maschinelle Fertigung installiert. Aber auch der massenweise Einsatz von Personalcomputern in Beruf und Privatleben oder auch die immer weiter perfektionierte Entwicklung von Unterhaltungselektronik wie zum Beispiel vom Videorekorder über die DVD bis zur Bluray-Disc nahmen hier ihren Anfang.

Alle diese Arbeiten, die unser Leben heute so maßgeblich beeinflussen, entstanden im Wesentlichen in nur gut 100 Jahren. Die atemberaubende Geschwindigkeit, in der Elektrotechnik unser Leben veränderte, war insofern ein Vorgeschmack auf die neuesten Früchte dieser Entwicklung. In nur 20 Jahren wurde mit dem Internet eine neue, bisher ungeahnte Vernetzung der Welt und ihres Wissens in Gang gesetzt, deren Nutzungsmöglichkeiten uns in der Praxis – obschon bereits jetzt aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken – wohl erst in den Grundzügen erkennbar sind.